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Als Charlie 8 Wochen war, fuhren wir mit Lucy hin, um ihn abzuholen. Auf einer Wiese etwas außerhalb holte wir beide aus dem Auto... Sofort nahm
Lucy ihre Chance war und grenzte ihn ein. Der Kleine tat mir so leid, am liebsten hätte ich ihn gerettet - aber (ich hasse diesen Satz) "da
mussten wir durch".
Am 3. Tag hätte Lucy "beinahe" mit ihm gespielt, hat dann aber gesehen, dass wir die Beiden beobachteten. So konnte sie sich noch in letzter
Sekunde zusammenreißen. Aber am 5. Tag hatte er sie mit seinem Charme eingewickelt, und sie konnte nicht mehr widerstehen. Einer meiner schönsten
Erlebnisse, die ich je hatte, war dieser Moment. Lucy hatte wieder Spaß am Leben! Charlie war genauso, wie ich ihn mir "gedacht" hatte. Ein
bildschöner Langhaarschäfi, lustig, verspielt, konnte mal einen Knuff vertragen und war einfach nur Kumpel durch und durch.
Ein Traum von einem Hund. Er mochte Jeden und Alle und umgekehrt. Das, was ich fühlte, als er mit 6 Wochen diesen Blick hatte, der mich dazu
brachte über seinen Bruder nachzudenken, den sah ich dann wieder, als Charlie ca. 5 - 6 Monate alt war. Ich stellte fest, dass er ab und an
"Aussetzer" hatte.
Sein Blick veränderte sich. Anfangs so selten, dass ich versuchte, es zu ignorieren. Hunden gegenüber hatte er nie Probleme. Seine Probleme
wurden 2-Beiner. Und, wenn er jemanden 2- oder 4-Füßler oder auch Übungen, nicht nach max. 3 Tagen wieder sah oder übte, konnte er sich nicht
mehr erinnern. Er hatte Anzeichen von Autismus.
Wieder fing ich an, an meinen eigenen Fähigkeiten zu zweifeln und suchte wieder Hilfe von außen. Psychologen, Gurus und Tierärzte verdienten
sich an uns eine goldene Nase. Ohne Erfolg. Ich fing an, ihm Inseln (Rituale) zu bauen, um ihm den Alltag zu erleichtern. Ein Tierarzt sagte
dann: "genießen Sie die letzten Wochen mit ihm. Ich erspare ihnen eine Kopfuntersuchung, die nur hervorbringen würde, dass er einen Tumor oder
Wasser im Kopf hat."
Von da an genossen wir jeden Tag seine Lebensfreude und hofften, ihn noch lange bei uns zu haben. Er war der Hundekumpel, mit dem man prima um
die Häuser zieht und nach Feierabend ein Bierchen nimmt. Was das Ganze für mich noch viel schlimmer machte. Ich baute noch mehr "Inseln" und
meidete mögliche Auslöser. Aber es sollte schneller zu Ende sein, als erwartet. Am 10.11.2006 bekam er abends vor dem Fernseher so einen Aussetzer.
Jeden Abend lag er mit unserem Jüngsten auf dem Teppich und sie schauten TV. An diesem Abend hatte Charlie ihn fast ins Gesicht gebissen
(zum 1. Mal im häuslichen Bereich). Ich hatte nicht bemerkt (oder verdrängt), wie stark seine Ausfälle sich vermehrten.
Mein Mann hat dann die Konsequenz gezogen. Die Familie geht vor. Dieser musste ich nachgeben. Er war unberechenbar - jetzt schon in ritualisierten
Situationen. So hatten wir am Montag den 13.11.2006 den letzten Termin bei seiner behandelnden Tierärztin. Das war einer der schrecklichsten Tage
in meinem Leben. Aber was dieser junge Hund uns und besonders Lucy und mir hinterlassen hat, ist unbeschreiblich. Wofür andere ein langes Leben
brauchte, hatte Charlie in nur 15 Monaten geschafft. Er hatte sein Lebensziel erreicht. Er schenkte einem Artgenossen neue Lebensqualität und ich lernte
durch ihn so viel. Ich froh, dankbar und stolz so einen Hund gehabt zu haben. Dass er mich haben wollte. Ich werde ihn nie vergessen.
Lucy war nicht traurig, wieder Einzelhund zu sein. Wir arbeiteten weiter an unserem Vertrauen und Lucy schaffte es, anderen Hunden den Rücken zu
zukehren, um mir so die Verantwortung zu übertragen. Wir hatten keine negativen Erfahrungen mehr und konnten so endlich zusammenwachsen.
Ein tolles Ergebnis und phantastische Fortschritte. Wir hatten es dank Charlie geschafft, unser Ziel war erreicht und unsere gemeinsame Zeit
endete am 03.08.2008. Lucy hatte ihren Kampf gegen den Krebs verloren.
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