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Als sie 7 ½ Wochen alt war wurde sie uns gebracht. Ich hörte das vorfahrende Auto und lief sofort raus. Meine Lucy schlief die ganze Zeit
im Auto (2 ½ Std.) Als sie mich hörte, war meine Schwester und ihr Mann vergessen. Endlich Zuhause!
Obwohl ich mit Hunden und anderen Tieren aufgewachsen bin, war Lucy mein 1. Welpe und dann noch in der Stadt. Wie alle frischen Hundeeltern
wollten auch wir alles richtig machen, und so nahm das Schicksal seinen Lauf. Natürlich haben wir uns lange auf die Ankunft unseres pelzigen
Mitbewohners vorbereitet und Bücher über Hundeerziehung verschlungen.
Hundekontakte sind wichtig! Jedem Hund, den wir begegneten, durfte sie kontakten. Als dann ihr 1. Schultag herannahte, waren wir genauso
aufgeregt, wie bei der Einschulung unserer Kinder. Von da an ging es bergab.
Die Gruppe war viel zu groß und Lucy völlig überfordert. Sie entwickelte sich zum Kläffer. Wenn sie bei mir Schutz suchte, hieß
es: "Geh weg von ihr, da muss sie jetzt durch" - der allergrößte Fehler. Wir hielten dennoch 6 weitere Termine durch. Immer in der Gewissheit,
dass dort "Fachkräfte" am Werk sind. In unserer 8. und letzten Stunde kam ein weiterer Schäferwelpe. Die beiden sahen und verstanden sich sofort.
Sie rannten, kämpften, machten alles, was Welpen so tun - alles ganz ausgeglichen - nur Lucy bellte dabei.
Dann fragte die Trainerin (8 Wochen waren wir in ihrer Gruppe und wir hatten den einzigen Schäferhund in dieser Zeit!): "Wem gehört der
aggressive Schäferhund?" Ja, das war unsere letzte Stunde in der Welpengruppe...
Immer noch wollte ich für Lucy die besten Voraussetzungen für ein Stadtleben schaffen. Wild entschlossen probierten wir verschiedene mittlerweile
Junghund- und Erziehungsgruppen aus. Im Unterricht war Lucy Musterschülerin (auf dem Platz!). Im wirklichen Leben war alles nicht mehr so schön.
Nicht jeder Hundehalter nimmt sich vor, seinen 4-Beiner zu erziehen. So hatten wir in der sog. Prägephase schon diverse schlechte Erfahrungen mit
anderen z.T. Hundegruppen, die sie jagten und auch bissen. Später schlimm genug, aber in dem Alter fatal. Ihr Vertrauen zu mir wich mit jeder
schlechten Erfahrung.
Wir hielten trotzdem durch und entschieden uns für das kleinste Übel. So bereiteten wir uns auf den VDH Hundeführerschein vor und bestanden ihn
mit Bravour. Unser "Potential" wurde von Vereinsmitgliedern entdeckt und so bemühte man sich, uns zur BH (Begleithundeprüfung) zu ermuntern. Lucy
und ich entwickelten uns zu Strebern. Parallel zur BH trainierten wie im THS (Turnierhundesport).
Lucy war mit Begeisterung dabei. Immer zuverlässig und aufmerksam. Bis die Trainerin sagte: "Mach mal `n bisschen Trieb!" Ähm, tja. Wir standen
am Start, mein Hund wartete wie immer entspannt auf ihr Signal (um schließlich im Ziel auf mich zu warten und fehlerfrei alle Geräte auf dem Weg
dorthin zu nehmen) und dann machte ich den Fehler, der uns aus dem Gleichgewicht brachte. Ich machte ganz leise: "ks ks" und Lucy kläffte. Hm, ab
da arbeiteten wir viele Monate daran wieder Ruhe am Start zu haben. - Manchmal reicht ein blöder Fehler... ganz rausbekommen haben wir es nie mehr.
Lucy war auch ein Naturtalent, was die Fährtenarbeit anging. Mittlerweile hatten wir den VDH Hundeführerschein, die BH ohne Schuss und div.
Turniere. Nun wollte man uns für die Fährtenarbeit begeistern. Dazu brauchte man allerdings die BH mit Schuss.
Eigentlich kein Problem. Lucy hatte keine Geräuschprobleme und so bereiteten wir uns erneut auf die BH vor. Ca. 6 Wochen vor der Prüfung standen
wir an der Bushaltestelle. Eigentlich auch nicht schlimm. Lucy hatte keine Probleme mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Leider fand zu der Zeit, als
wir warteten, ein Fußballspiel statt und einige I... hatten nichts Besseres zu tun, als Knaller auf die Bushaltestelle zu schmeißen...
Was ich nicht wusste aber sich später durch Untersuchungen herausstelle, platzte ihr dabei das Trommelfell. Von da an war sie bei den leisesten
Geräuschen dermaßen beeindruckt, das sie am Boden klebte und bebte. Was noch schlimmer war, war die Tatsache, dass man uns immer noch versuchte,
durch die BH zu kriegen. Wir müssen sie desensibilisieren! Meine Erfahrungen waren leider noch nicht auf dem heutigen Stand und ich wusste ja
auch nicht, dass sie schwere Innenohrverletzungen hatte. Also ließ ich zu, dass wir desensibilisierten (arme Lucy). Gott sei Dank fand das
Training nur noch 2x statt, weil ich keine Zeit (!) hatte hinzugehen. Ich fühlte mich schrecklich, wenn wir auf dem Platz standen und alle auf
uns einquatschten. Ich fühlte, dass es falsch war - aber wenn alle was anderes sagen...
Wir bestanden auch diese BH, machten beim Fährtenpokal mit, gewannen den 3. Platz mit 90 Punkten hinter dem 2. mit 91 und dem 1. Platz mit 92
Punkten. Aber ich wollte das nicht mehr. So ging die Suche nach dem "Richtigen" weiter. Parallel dazu war ich Trainerin bei den Welpen und hatte
den VDH Sachkundenachweis für Trainer und Ausbilder gemacht. Meine Karriere auf diesem Gebiet können sie unter Qualifikationen verfolgen.
Nun ein Sprung ins wirkliche Leben. Jäckle und Hyde kennt jeder. Wir waren so. Auf dem Platz war alles toll, sobald wir das schützende Gelände
verließen... Wir suchten nun für unser Leben außerhalb der schützenden Umgebung der Hundeplätze nach Unterstützung. Aber irgendwie fanden wir sie
nicht wirklich. Lernten aber sehr viele Trainer, Verhaltensberater und -Therapeuten, Tierpsychologen und Gurus kennen.
Auf der einen Seite war Lucy Leinenaggressiv und immer nach außen orientiert, auf der anderen Seite, wenn sie im "Arbeitsmodus" war, konnte keiner
glauben, dass wir wirklich ein Problem hatten.
Mittlerweile waren 4 Jahre und diverse Knieoperationen nicht an Lucy vorbeigegegangen. Da ihre Arthrose (Folge durch Unfall beim Überrannt werden
eines großen Hundes mit 6 Monaten) fortschritt und ich wusste, dass ich ihr das nicht mehr als noch 1x zumuten wollte, wurde der Gedanke an
Charlie geboren. Ziemlich mutig, wenn man bedenkt, dass Lucy kein großer Freund von Artgenossen war. Aber ich hatte jetzt 2 Jahre Zeit um uns
auf Tag X vorzubereiten.
Ja, schon als der Gedanke an einen 2. Hund entstanden ist wusste ich, dass es ein Charlie wird. Ich beobachtet Lucy und in meinen Gedanken
wurde Charlie immer wirklicher. Ich wusste, wie er aussah, sich bewegte, wie er vom Typ und Charakter sein musste, um Lucy ein perfekter Partner
zu sein. Mit diesen Gedanken änderte ich mein Verhalten, denn ich wollte Lucy auf ihre Zeit als Gouvernante vorbereiten. Lucy war schon immer
die geborene Erzieherin. Sie hasste nichts so sehr, wie ungehorsame Haustiere. Und ich wollte, dass sie in ihrem Leben die Chance bekommt, einen
Hund mit zu erziehen und auf ihre Art spielen zu dürfen (auch mit bellen).
Da ich ja bereits einige Jahre ehrenamtlich in verschiedenen Vereinen als Trainerin tätig war, lernte ich mit jedem neuen Hund dazu. Lucy
begleitete mich immer öfter auch im Training und wir machten tolle Fortschritte. In dem letzten Verein, dem ich angehörte, konnte ich dann
endlich (fast) so arbeiten, wie ich es mir vorstellte und Lucy wurde "Vorturnhund". Sie liebte es. Unser Vertrauen zueinander wuchs und Charlie
nahm in meinen Gedanken immer mehr Gestalt an.
Am 02.06.2005 wurde er in der Nähe von Berlin geboren. 6 Wochen zuvor wurde Lucy erneut und zum letzten Mal am rechten Knie operiert. Jetzt
zeigte sich auch, dass meine Entscheidung Charlie zu holen, die Richtige war. Er gab ihr den Lebensmut zurück.
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